Infotag für Zugehörige von Menschen mit HIV und AIDS am 26.09.2009 in Berlin
Nach einigen Jahren Pause waren wir wieder mit einem Infotag in der Bundeshauptstadt zu Gast. Am Vortag der Bundestagswahl, deren Ausgang sicherlich auch Auswirkungen auf die Menschen mit HIV und AIDS und ihre Zugehörige haben wird, fand der Infotag im Dietrich Bonhoeffer Haus in Berlin Mitte statt.
Wir durften eine sehr bunt gemischte Gruppe von Zugehörigen begrüßen, die unsere Referentin Petra Söllner (Fachärztin für Allgemeinmedizin) über die medizinischen Aspekte einer HIV-Infektion fachkundig informierte. In der anschließenden regen Diskussion konnte auf individuelle Fragen eingegangen und Lösungsansätze aufgezeigt werden.
In seinem Referat über HIV im Arbeitsrecht sowie strafrechtliche Aspekte gab Harald Hägle (Pluspunkt Berlin) einen kompetenten Überblick über die rechtlichen Aspekte in diesen Lebensbereichen. Gerade die strafrechtlichen Entwicklungen, wie die Verhaftung der Sängerin Nadja B., wurden intensiv und engagiert diskutiert. Einigkeit bei den Teilnehmenden bestand darin, dass über die Verschärfung des Strafrechts in Deutschland nicht notwendig und aus Präventionssicht kontraproduktiv ist. Es wurde die Forderung laut, die Rechtssprechung habe den Lebenswirklichkeiten HIV-Infizierter in Deutschland angemessener Rechnung zu tragen. Insbesondere die Frage der Infektiösität HIV-Positiver unter wirksamer Therapie und die Infektionswahrscheinlichkeit verschiedener Sexualpraktiken sind in der Beurteilung strafrechtlicher Sachverhältnisse und im Strafmaß zu berücksichtigen.
Gleichwohl wurde von Teilnehmerseite eingefordert, dass bei der Beratung vor einem HIV-Test neben den gesundheitlichen Chanchen durch eine Therapie auch die negativen Konsequenzen in die Beratung einfließen müssen. Beispielsweise sind Einschränkungen bei der Berufswahl, Ausschluß bei Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen und strafrechtliche Konsequenzen genannt worden. Hier gilt es auf verbandlicher Ebene die Beratungsstandards kritisch zu hinterfragen.
Die Gesprächsrunde "Wer soll es wissen?" mit Anregungen und Diskussion zum positiven Coming-Out begann mit einem Film, in dem Positive über ihrem Umgang mit der HIV-Infektion in Beziehungen, bei Bekannschaften und im Arbeitsleben sprachen.
Nach Anregung durch den gezeigten Film wurde lebhaft und mit sehr unterschiedlichen Ansätzen diskutiert. Auch bei einer Beratung über die Entscheidung zu oder gegen ein Coming-Out in verschiedenen Kontexten wurden differenzierte Botschaften gefordert, die neben den positiven Aspekten auch die möglicherweise negativen Konsequenzen offenlegt und eine individuelle und überlegte Entscheidung ermöglicht. Den einen für alle gültigen Königsweg konnte auch diese Runde nicht finden, es wird auch weiterhin die Aufgabe Betroffener, ihrer Zugehörigen und den Beratungsstellen zu HIV und AIDS sein, individuelle und lebensnahe Bewältigungs- und Informationsstrategien zu finden.
Wir danken allen Teilnehmenden für Ihr Engagement und Ihre Diskussionsfreude und hoffen das sie mit umsetzbaren Anregungen nach einem für alle anstrengenden Tag gut nach Hause gekommen sind. Ein besonderer Dank gilt unseren Referenten Petra Söllner und Harald Hägle für ihre Unterstützung.
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