Erika Trautwein erhält für ihren Kampf gegen HIV/AIDS den Bundesverdienstorden

Von Mitarbeiter
Alexander Jungert

Erika Trautwein hat es aus einem Brief erfahren. Am 19. Dezember soll sie in Berlin das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland bekommen. Unterschrift: Bundespräsident Professor Dr. Horst Köhler. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, erinnert sich die 62-Jährige, „und fragte mich: Kann das sein?“

Es kann. Bereits am Samstag reist Erika Trautwein mit ihrem Mann in die Hauptstadt. Das Bundesgesundheitsministerium hat ihr ein Hotel gebucht. Die Verleihung des „Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, wie die Auszeichnung genau heißt, ist am Montagabend im Haus des Bertelsmann-Verlages Berlin-Mitte. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt händigt die Orden aus. Neben Erika Trautwein ehrt sie 13 weitere Personen, die sich um die Medizin verdient gemacht haben: überwiegend Professoren und Doktoren.

Erika Trautwein erhält den Verdienstorden für ihre ehrenamtliche Arbeit im Kampf gegen HIV/AIDS. 1997 war sie Mitbegründerin des „Netzwerkes der Angehörigen von Menschen mit HIV und AIDS“, seit 2000 ist sie dessen bundesweite Sprecherin. „Besonders die Angehörigen haben große Ängste, wenn Partner oder Freunde infiziert oder erkrankt sind“, sagt Erika Trautwein. In ihrem sozialen Umfeld über HIV zu sprechen, fällt vielen schwer. Wie soll das Leben weiter gehen? Was, wenn Andere davon erfahren? Das Netzwerk bringt Angehörige in vergleichbaren  Lebenssituationen zusammen, informiert über HIV/AIDS und hilft Angehörigen, über den Verlust von Menschen hinwegzukommen. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt: „Das hohe Maß an Authentizität, erfahrungsbezogener, aber auch fachlicher Kompetenz macht diese Arbeit in Deutschland unersetzbar und im Bereich HIV/AIDS einzigartig.“

Erika Trautwein
Erika Trautwein verbringt viel Zeit am PC. Die meisten Menschen melden sich via E-Mail – so fällt es ihnen leichter, über ihre Probleme im Umgang mit HIV/AIDS zu reden.      Foto: Jungert

Erstkontakt zum Netzwerk verschaffen sich Angehörige meist über das Internet oder Telefon. Im Netz ist man anonym, da fällt es leichter zu reden. Jüngst schrieb ihr ein Mann, dessen Partner HIV-positiv ist und fragte um Rat. Erika Trautwein hatte Adressen von Menschen, in vergleichbarer Situation. Der Austausch hat „toll funktioniert“. Trautwein bekam mehrere E-Mails, in denen ihr der Mann dankte. „Meine Arbeit ist ein Geben und Nehmen“, sagt die Huttenheimerin. Weitere Pläne hat sie schon: Nächstes Jahr will sie gemeinsam mit  den Aidshilfen vor Ort Informationstage in neutralen Räumen in Berlin, Frankfurt und Hamburg organisieren. Und im August findet wieder die Bundesversammlung der Positiven und ihrer Angehörigen statt, diesmal in Leipzig.

Hauptberuflich leitet Erika Trautwein in Huttenheim einen Friseursalon. Dass sie eines Tages ehrenamtlich als Sprecherin eines bundesweit aktiven Netzwerkes fungiert, hätte sie nie gedacht. Trotzdem gibt sie sich bescheiden: „Mein Verdienstorden gehört dem gesamten Ehrenamt und den Menschen, die mich in meiner Arbeit unterstützen. Einer alleine kann nichts bewirken.“ Für die Zukunft wünscht sich Erika Trautwein, dass die Leute sensibler mit der tödlichen Immunschwäche umgehen. Zunehmende HIV-Neuinfektionen im Landkreis machen der Netzwerkerin klar, dass sie nicht aufhören darf. Kraft für ihren unermüdlichen Einsatz zieht Erika Trautwein aus der Erinnerung an ihren Sohn Oliver, der vor vielen Jahren sehr aktiv als Streetworker in Karlsruhe arbeitete. „In seine Fußstapfen will ich treten. Prävention ist das A und O“, mahnt sie. Oliver starb 1996 an den Folgen von AIDS.

 

"Wochenblatt Bruhrain" vom 14. Dezember